„Alles anders? Zukunft zusammen!“ Unter diesem Titel hat der VSWG am 28. September 2021 zum 29. Tag Sächsischer Wohnungsgenossenschaften ins Internationale Congress Center (ICD) nach Dresden eingeladen. Nach der pandemiebedingten Verschiebung des TSWG 2020 nahm der diesjährige TSWG eine ganz besondere Rolle ein. Mirjam Luserke, Vorstand des VSWG, sprach von einer „neuen Zeitrechnung“, die sich in „vor Corona“, „während Corona“ und irgendwann hoffentlich auch „nach Corona“ einteilen lässt. Rückblickend kann man festhalten, dass sich das Geschäftsmodell der Wohnungsgenossenschaften in der Krise einmal mehr bewiesen hat. Trotz der räumlichen und persönlichen Distanz haben sich viele Beziehungen noch mehr gefestigt. So auch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem VSWG und dem Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung, wie Staatssekretär Dr. Frank Pfeil in seinem Grußwort hervorhob.  

Trotz positiver Bilanz für die Vergangenheit ist es an der Zeit, jetzt die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Dazu ist es zunächst erforderlich, die „Megatrends“ der Zukunft zu verstehen. Oona Horx-Strathern führte das Publikum mit ihrem charmanten irischen Dialekt durch aktuelle Veränderungen, die sich nicht nur in Sachsen, sondern europaweit abzeichnen. Gerade diese überregionale Bedeutung verbunden mit einer Relevanz für alle Lebensbereiche zeichnen die sogenannten Megatrends aus. Ein großer Schwerpunkt liegt dabei auf dem ambivalenten Verhältnis zwischen Individualisierung und dem grundlegenden Bedürfnis nach Zugehörigkeit, das sich künftig auch stärker im Wohnen widerspiegeln sollte. Das Idealbild aktueller und künftiger Generationen besteht dabei nicht mehr aus einem großen Stadtzentrum, sondern aus vielen Mikrozentren, die Gelegenheit zum Austausch bieten. In Verbindung mit Grün und einem ökologischen Selbstverständnis können Quartiere eine hohe Attraktivität als Lebens- und Arbeitsstandort bieten. Vieles davon ist für Wohnungsgenossenschaften nicht neu: So gehören die Bank vor der Haustür, ein einladendes grünes Wohnumfeld sowie die Förderung von sozialem Austausch zum Selbstverständnis fast jeder Genossenschaft. Für die „Visionen außerhalb der Großstadt“ ist die Digitalisierung ein wesentlicher Treiber, machte Gerald Swarat in seiner Reise durch gute Beispiele aus den eher ländlicheren Regionen deutlich. Dabei darf sich jedoch nicht der Mensch der Technik unterordnen. Vielmehr gilt es, die Technik als Unterstützung der Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu verstehen, die sich daran messen lassen muss, ob sie das Zusammenleben verbessert oder nicht. Ferner stellt sich die Frage, ob die Menschen vor Ort und Kommunen eigene Prozesse und Angebote schaffen wollen oder das Feld den internationalen „Big Playern“ wie Google, Facebook und Co. überlassen wollen.

Auch die Bundestagswahl des letzten Sonntags war ein zentrales Thema des diesjährigen TSWG. „Aus Sicht der Wohnungswirtschaft hätte es schlimmer kommen können“, fasste Mirjam Luserke zusammen. Gleichwohl deuten die Wahlergebnisse auf den Beginn einer neuen Ära in der Demokratie der Bundesrepublik hin. Mit seiner rheinisch humorvollen Art machte Wolfgang Bosbach, Mitglied des Bundestages a.D., deutlich, dass die „Zeit der großen Volksparteien“ vorbei ist. Dabei löst sich die familiäre, berufliche oder kirchliche Prägung, die in den letzten Jahrzehnten zu sehr verlässlichen Wahlergebnissen der nachkommenden Generationen geführt haben, immer mehr auf. Das Ergebnis sind ein wesentlich breiteres Fraktionenspektrum sowie das erstmalige Erfordernis einer Koalition aus drei Bündnispartnern. Damit stellt Deutschland jedoch keine Ausnahme dar, sondern folgt dem europaweiten Trend.

Wie immer bot der TSWG auch Möglichkeiten für einen Perspektivwechsel. So beförderte Nicola Fritze die Teilnehmer unter dem Titel „Motivier Dich selbst! Sonst macht’s keiner“ aus dem Suppenkoma. Neben „Gänsehautmomenten“ förderte der Vortrag auch das ein oder andere künstlerische Talent zum Vorschein. Auch werden viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer künftig vielleicht etwas sparsamer mit der Redewendung „Ja, aber“ umgehen und vielleicht das ein oder andere Mal positiv und wertschätzend mit „Ja genau! Und …“ auf Vorschläge und Anregungen aus ihrem Umfeld reagieren.

In ihrem Vortrag „Per se sorgenfrei: Zukunft Wohnungsgenossenschaft jetzt!“ verdeutlichte Mirjam Luserke noch einmal eindrucksvoll die wichtigsten Themen und Herausforderungen der Zukunft. Auch wenn am politischen und regulatorischen Himmel einige Wolken aufziehen, ist es nicht an der Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken. Stattdessen gilt es, sich auf die – für die Wohnungsgenossenschaft selbst – oft so selbstverständlichen Werte zu besinnen und diese mit Selbstbewusstsein nach außen zu tragen. Ein wichtiger Begleiter dabei kann der Marketingverbund der Wohnungsgenossenschaften in Sachsen sein, den Axel Fietzek den Gästen nahelegte. Kaum einer ist mit der Rechtsform der Genossenschaft wirklich vertraut. Ziel des Marketingverbundes ist es deshalb, mit professionellem Marketing und frechen Sprüchen zu zeigen, dass „Wir die Guten sind“. Oder kurzum: „Gesellschaft braucht Genossenschaft!“.

Am Nachmittag tagte die coronabedingt verschobene Mitgliederversammlung (Verbandstag) des VSWG. Während der geschlossenen Mitgliederversammlung wurden die Mitglieder über das Geschäftsjahr 2020 informiert, das zusammengefasst als herausfordernd, aber sehr positiv zusammengefasst werden kann.
Den Höhepunkt des Tages bildete die Abendveranstaltung auf der Terrasse bzw. später auf der obersten Ebene des ICD. Spätestens hier wurde deutlich, wie sehr sich alle Teilnehmer nach Möglichkeiten zum persönlichen Austausch gesehnt haben. Unter den zahlreichen Vorständen der Wohnungsgenossenschaften sowie Ausstellern und Gästen befanden sich auch einige der leistungsstärksten Auszubildenden der Mitgliedsunternehmen des VSWG, die für ihre Leistung geehrt wurden, und bei bester Verpflegung, guter Musik und guten Gesprächen einen noch besseren Einblick in die Wohnungswirtschaft von heute erhalten durften. Alles in allem hat der TSWG 2021 alle Erwartungen erfüllt und wird den mehr als 350 Gästen der Tagung hoffentlich noch lange in positiver Erinnerung bleiben.

Abschließend gilt den ausstellenden Gastmitgliedern und Partnerunternehmen ein besonderer Dank. Sie haben den Tag mit ihren, auf die Wohnungswirtschaft zugeschnittenen Angeboten bereichert und durch ihren finanziellen Beitrag wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen.

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen, spätestens zum 30. Tag Sächsischer Wohnungsgenossenschaften am 27. September 2022.